Zeitungsartikel Südwestpresse vom 03.07.2007
Kinder müssen besser gefördert werden
ZU "WAS VERMISSEN FAMILIEN?" (2. JUNI)
Jüngst war zu lesen, dass die Stadt Ulm eine Million Euro für die Kinderbetreuung zusätzlich zur Verfügung stellt. Ein von der SÜDWEST PRESSE kommentierter Erfolg. So wie so viele andere unreflektierte Pro-Städtische-Artikel, die man in der Vergangenheit lesen konnte.
Das Ulmer Kindergartenbudget bleibt auf 13 Millionen Euro begrenzt. Dies hat der Oberbürgermeister Gönner kürzlich klar gestellt. Er sieht sich aber einem wachsenden Widerstand ausgesetzt. Kindergarteneltern sind zwar Interimsvertreter für maximal drei Jahre, aber sie bilden dennoch eine Lobby, die man nicht unterschätzen darf!
Das Land hat noch unter Regierungschef Teufel den Orientierungsplan aus der Taufe gehoben. Er geht von der Grundüberlegung aus, dass schon der Kindergarten eine Bildungseinrichtung ist. Daher sollen Kinder bereits vom Eintritt in den Kindergarten an massiv gefördert werden. Es geht nicht mehr um die richtige Haltung der Bastelschere. Kinder lernen nach ihren eigenen Konzepten. Diese Fähigkeit soll schon früh gefördert werden.
Dazu braucht es Personal. Ulm hat einen Personalmindeststandard von 1,7 Betreuern bei 33 Stunden. Da landesweit der Mindeststandard mit 1,7 Betreuern bei 30 Stunden bemessen wird, wird schnell klar, dass Ulm die unterste Grenze fährt. Der Gesamtelternbeirat kämpft schon seit Jahren für eine Erhöhung des Personalschlüssels. Jetzt hat sich zusätzlich eine Elterninitiative gebildet. Wenn Eltern sich massiv formieren, um sich für ihre Kinder einzusetzen, kann man das nicht so einfach abtun.
Die Stadt beziehungsweise unser Oberbürgermeister setzen auf die kurzzeitige erst im Vorschulalter ansetzende gezielte Förderung von Problemkindern und von hochbegabten Kindern. Hierfür ist die zusätzliche Million. Jeder Mutter und jedem Vater wird klar sein, dass eine solche punktuelle Förderung zu spät ist. Ein Kind ist keine Ware, die man mittels Geld schnell noch vor der Schule aufwerten kann.
Ulrike und Michael Winterhoff, Ulm
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