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Gesamtelternbeirat
der Kindertagesstätten und Schülerhorte in Ulm/Donau

Zeitungsartikel Südwestpresse vom 21.01.2009

ZU "FOLGEN KINDERGÄRTEN DEN ELTERN?"*3. DEZEMBER

Aktionismus des Oberkindergärtners

Bei den Haushaltsberatungen des Ulmer Gemeinderats versuchte Ulms Oberbürgermeister Ivo Gönner jüngst breitenwirksam mit einer Bildungsoffensive zu punkten. Der Kindergarten-OB forderte eine maximale Betreuungszeit von 6 Uhr in der Früh bis 21 Uhr.

Soll das etwa bedeuten, dass die, gemessen an ihren Aufgaben, chronisch unterbesetzten Einrichtungen nun zur reinen Aufbewahrungsanstalt werden sollen?

Kann es wirklich der Anspruch einer modernen, zukunftsorientierten Stadtgesellschaft sein, dass Mütter zu reinen Brutmaschinen werden, die so bald als möglich ins Arbeitsleben rückintegriert werden, und ihre Kinder nur beim Frühstück und beim Gute-Nacht-Lied sehen?

Wird das so genannte Familienleben, geht es nach den Vorstellungen des Oberkindergärtners, nur noch an den Wochenenden stattfinden, da nur noch die Vereinbarkeit von Familie und Beruf gefragt ist?

Sind Familien, in denen sich ein Elternteil über Jahre hinweg um das Einkommen, das andere um die Erziehung kümmert, schon bald ein Anachronismus?

Falls die Früherziehung, die für die Entwicklung ohne Frage von größter Bedeutung ist, immer mehr aus der Hand gegeben werden soll, es allerdings an klar definierten Bildungskonzepten mangelt, darf man sich über die stets beklagten Spätschäden nicht wundern. Ein intaktes Familienleben kann auch durch noch so erfahrene und motivierte Pädagogen nicht ersetzt werden und ist eine unabdingbare Lebensgrundlage - nicht nur für Vorschulkinder.

Klar ist, in Bildung muss weit mehr investiert werden, als dies bisher der Fall ist. Allerdings scheinen Sozialbürgermeisterin und Gemeinderat gut beraten, sich nicht allein am Aktionismus des Oberbürgermeisters zu orientieren. Und der Hinweis eines Stadtrats, er habe jede Menge Ahnung vom Thema, da er bisweilen seinen Enkel in den Kindergarten bringen würde, ist zwar goldig, spricht aber für den Sachverstand der Runde.

Da wünscht man sich frei nach Grönemeyer fast schon lieber Kinder an die Macht. Dann regierte im besten Falle zumindest gesunder Menschenverstand.

SYLVIA KALUZA, ULM