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Gesamtelternbeirat
der Kindertagesstätten und Schülerhorte in Ulm/Donau

Zeitungsartikel Südwestpresse vom 28.01.2009

Ziel: Guter Start in die Schule

Seit Anfang des Jahres laufen die neuen Einschulungsuntersuchungen

Um Kindern den Start in die Schule zu erleichtern, hat das Land die Einschulungsuntersuchung neu konzipiert. Jetzt werden die Kleinen zweimal getestet. Ein Besuch in einem Kindergarten bei Schwendi.

BERIT SCHMIDT, DPA

Schwendi

Die fünfjährige Sonja zählt stolz kleine rote Knöpfe, die vor ihr auf einem Tisch liegen. Es sind zehn Stück. Manchmal noch etwas zurückhaltend, manchmal wie aus der Pistole geschossen, beschreibt sie Bilder, die ihr die sozialmedizinische Assistentin Margot Schlanser zeigt. Dann hüpft sie auf einem Bein durch das Zimmer. Das Mädchen besucht einen Kindergarten bei Schwendi (Kreis Biberach) und soll bald in die Schule kommen. Seit Anfang des Jahres müssen sie und alle anderen Kinder ihres Alters in Baden-Württemberg eine Einschulungsuntersuchung machen.

Wichtiger Bestandteil ist dabei ein Sprachtest. "Die Autos haben gehupt", sagt ihr Schlanser vor. Sonja (alle Kindernamen von der Redaktion geändert) soll diesen und andere Sätze nachsprechen. Der Schulärztin Monika Spannenkrebs fällt dabei auf, dass die Fünfjährige Schwierigkeiten hat, Präpositionen wie "neben" oder "unten" zu verstehen. Nahezu problemlos erscheint ihre Lautbildung. Fantasiewörter wie "Maluk" spricht Sonja perfekt nach.

Dennoch: Spannenkrebs möchte das Mädchen etwa ein halbes Jahr vor der Einschulung noch einmal untersuchen. In der Zwischenzeit soll die Fünfjährige sprachlich gefördert werden. "Sie ist kein Sorgenkind. Aber es wäre schade, wenn man das nicht aufarbeitet. Dann kann sie auch eine höhere Schule besuchen", sagt die Medizinerin.

Der vierjährige Mirko hat Schwierigkeiten, den Bleistift richtig zu halten. Außerdem ist seine Sprache nicht ganz in Ordnung. Deswegen muss er einen größeren Sprachtest mit ähnlichen, aber mehr Aufgaben als in der Basisuntersuchung machen. Dieser bestätigt: "Er ist nicht ganz so weit wie Gleichaltrige", sagt die Schulärztin Ulrike Hart. Mirkos Mutter verspricht, zu Hause mit ihm zu üben. "Die meisten Eltern unterstützen uns, wir haben keinen Gegenwind", erzählt Hart.

In Baden-Württemberg wurde die Eingangsschuluntersuchung neu konzipiert. Früher mussten die Kinder nur einmal kurz vor der Einschulung zum Arzt. Heute gibt es zwei Untersuchungen. Zunächst werden die Kinder im vorletzten Kindergartenjahr getestet. Fallen dabei sprachliche oder motorische Defizite auf, werden sie gefördert. Immerhin können rund 60 Prozent der Jungen vor der Einschulung den Bleistift nicht richtig halten. Bei einer Nachuntersuchung im letzten Kindergartenjahr wird erneut ihre Schulfähigkeit getestet.

"Das Ziel ist, dass jedes Kind einen guten Start in die Schule hat", erklärt Ulrike Hart. Früher seien die Probleme der Kinder erst kurz vor der Einschulung aufgefallen. "Dann war es viel zu spät für eine Förderung", sagt sie. Vor der zweiten Untersuchung werden die Erzieher befragt, ob bestimmte Kinder noch einmal untersucht werden sollten. Aber auch die Ärzte wissen nach der ersten Untersuchung meist genau, wen sie noch einmal sehen wollen.

Vor allem Migrantenkinder sind häufig sprachlich benachteiligt. "Fast die Hälfte der Migrantenkinder können vor der Einschulung kein Deutsch", sagt Hart. Im Kreis Biberach brauchen rund 20 Prozent der zweisprachig aufwachsenden Kinder eine Förderung. Aber auch rund zehn Prozent der Kinder mit deutscher Herkunft benötigen eine Sprachförderung, berichtet Spannenkrebs.

Dabei haben vor allem Kinder, die viel fernsehen, eine geringere Sprachkompetenz. Interessant sei auch, ob die Eltern etwa Erzieher oder arbeitslos seien. "Wenn der Vater eines Kindes mit Migrationshintergrund zwar Deutsch kann, aber in der Nachtschicht arbeitet, ist es unsinnig, vorzuschlagen, dass er seinem Kind jeden Abend etwas vorlesen soll", erklärt Spannenkrebs.

Dann übernimmt allein der Kindergarten die Sprachförderung. Die Erzieher üben das ganze Jahr lang den Wortschatz, Präpositionen oder die Pluralbildung. Gezahlt wird das Ganze im Kreis Biberach von einer privaten Stiftung, in den übrigen Landesteilen zahlt die Landesstiftung. In jeder Gruppe im Kreis sind etwa fünf Kinder, die eine halbe Stunde pro Tag gefördert werden. Aber natürlich gilt auch: "Man kann nicht jeden Baden-Württemberger zu einem Gymnasiasten machen", sagt Hart.

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