Zeitungsartikel Südwestpresse vom 14.03.2009
Die Modell-Krippe füllt sich schon
Fünf Gemeinden schließen Vertrag für Einrichtung in Neenstetten - Die Nachfrage steigt
Das Modellprojekt ist auf den Weg gebracht: Gestern unterzeichneten die fünf beteiligten Bürgermeister den Vertrag für die interkommunale Kinderkrippe in Neenstetten. Die Idee soll im Kreis Schule machen.
ROLAND MÜLLER
Neenstetten
Ruhen alle Augen nun auf dem kleinen Neenstetten? Das Modellprojekt einer interkommunalen Kinderkrippe wird von den Beteiligten als wegweisend für die Region gesehen. "Ich bin mir sicher, dass das Projekt Furore machen wird", sagte Otto Frey vom Evangelischen Diakonieverband Ulm/Alb-Donau gestern bei der Unterzeichnung der Verträge zwischen dem Verband und den fünf beteiligten Gemeinden. Auch laut Theodor Nusser vom Verwaltungsverband Langenau soll das Neenstetter Modell Schule machen. "Im Landratsamt wartet man nur auf uns, um die Idee auch anderswo im Landkreis zu verbreiten", sagte Nusser.
Gemeinsam ist man stärker. Das war der Tenor, der gestern herrschte zwischen den Bürgermeistern der Gemeinden Neenstetten, Weidenstetten, Bernstadt, Holzkirch und Breitingen. Jede Gemeinde für sich hätte sich schwer getan, eine Krippe für Kinder unter drei Jahren einzurichten - weil geeignete Räume fehlen, weil es nicht finanzierbar wäre, weil es nicht genügend Kinder gibt. Mit der gemeinsamen Lösung in Neenstetten wird die finanzielle Last auf viele Schultern verteilt. "Und man ist auch viel besser gefeit gegen Schwankungen bei der Nachfrage", sagte Nusser.
Wie berichtet, soll das Obergeschoss des Neenstetter Kindergartens für die Kleinkind-Gruppe umgebaut werden. Die Krippe ist auf eine Kapazität von zehn Kindern ausgerichtet, es gibt einen Aufenthaltsraum, einen Schlafbereich sowie eine Kleinküche und einen Sanitärbereich mit Wickeltisch. Am Donnerstag fasste der Neenstetter Gemeinderat den Umbaubeschluss, die Kosten betragen 100 000 Euro.
Im September soll das Angebot starten. "Der Standort ist sehr verkehrsgünstig gelegen, das Umfeld ist für eine Krippe ideal", sagte der Bernstadter Bürgermeister Oliver Sühring. Die Entfernungen spielen laut Nusser keine große Rolle. "Ich habe mit vielen Eltern gesprochen, eine Anfahrt von drei bis fünf Kilometern ist für sie überhaupt kein Problem", sagte er. Die meisten Eltern auf dem Land seien morgens ohnehin mit dem Auto zur Arbeit unterwegs.
Für Überraschung in der Runde sorgten die große Nachfrage, die sich bereits jetzt abzeichnet - und das ohne Werbung, und obwohl der endgültige Beschluss noch ausstand. "Wir haben schon vier feste Anmeldungen, die fünfte steht ins Haus", sagte Sühring. Auch aus Neenstetten gibt es laut Bürgermeister Gerhard Staib bereits zwei Anmeldungen. Außerdem habe eine Frau ihr noch ungeborenes Kind schon für die Zeit vormerken wollen, da es ein Jahr alt wird. Sorgen über mangelnde Auslastung der Einrichtung waren wohl unbegründet.
Und so denken die Beteiligten bereits an Erweiterungsschritte. "Wenn die Eltern erst einmal sehen, dass es ein qualitativ gutes Angebot gibt, dann wird der Bedarf weiter steigen", sagte Frey vom Diakonieverband, der Träger des Neenstetter Kindergartens und der Krippe ist. Auf diese Qualität, die Geld koste, komme es aber auch an. "Wenn jeder sein eigenes Süppchen kocht, ist es schwierig, etwas Gutes hinzubekommen."
Es war nicht die einzige Bemerkung, die auch als Seitenhieb auf den Ausstieg der Gemeinde Altheim/Alb zu verstehen war. Wie berichtet, hatte sich dort der Gemeinderat entschieden, dem bereits ausgehandelten Modell doch nicht beizutreten - die Gemeinde will ein eigenes Angebot vor Ort schaffen.
Dieses Ziel hat auch Oliver Sühring für Bernstadt im Auge - allerdings würde er eine eigene Krippengruppe dann nicht auf eigene Faust, sondern ebenfalls unter interkommunalem Dach ansiedeln. "Das würde bedeuten, dass die interkommunale Krippe eine zweite Gruppe in Bernstadt aufmacht", sagte Sühring. Auch dort ist der Diakonieverband Kindergartenträger. Dass der Beitritt zum interkommunalen Modell eine eigene Lösung vor Ort nicht ausschließe, sei in Altheim wohl nicht verstanden worden.
"Ich bin mir aber sicher, dass wir auch Anmeldungen von Altheimer Kindern bekommen werden", prophezeite Staib. Diese werde man, sofern noch Plätze frei seien, auch aufnehmen. Allerdings müsste die Gemeinde, da sie ja am Kooperationsmodell nicht teilnimmt, dann den vollen Kostenersatz von 8400 Euro pro Kind und Jahr übernehmen (Details siehe Box).
Die nächste interkommunale Kinderkrippe ist laut Nusser in Rammingen geplant.
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