Zeitungsartikel Südwestpresse vom 31.03.2009
Gute und schlechte Vorbilder
Ulmer Gesamtelternbeirat beteiligt sich an Aktionen gegen NPD-Aufmarsch
Schutz vor Amokläufern, der geplante NPD-Aufmarsch und Drogen waren Themen, mit denen sich der Gesamtelternbeirat beschäftigte.
VERENA SCHÜHLY
Ulm
Konsequenzen des Amoklaufs von Winnenden waren auch in der jüngsten Sitzung des Ulmer Gesamtelternbeirats (GEB) ein Thema. So berichtete Gerhard Braunsteffer, einer der geschäftsführenden Schulleiter, dass es zusätzlich zu den Vorkehrungen in den Rahmenkrisenplänen des Kultusministeriums nun konkrete Handlungsanweisungen von der Polizei für Lehrer im Fall von Amokläufen gebe. Die Polizei Ulm und das staatliche Schulamt Biberach werden Ende April in drei Veranstaltungen Lehrer aller Schularten darüber informieren. Zudem werde jetzt in Ulm geprüft, ob Klassenzimmer von innen abgeschlossen werden können. Braunsteffer: "Trotz aller Bemühungen müssen wir uns aber darüber im Klaren sein, dass wir solche Taten nicht verhindern können."
Position beziehen wollen die Eltern bezüglich des NPD-Aufmarschs am 1. Mai in Ulm. Die GEB-Vorsitzende Sabine Schuler: "Hier geht es darum, unseren Kindern ein Vorbild zu sein und mitzuwirken, dass sich kein rechtsextremes Gedankengut in Ulm und um Ulm herum ausbreitet." Geplant ist am Donnerstag, 30. April, eine Aktion von 11.30 bis 15.30 Uhr auf dem Münsterplatz. Die erste Stunde des Programms auf der vom DGB aufgestellten Bühne gestalten die Eltern und Kinder der Kindertagesstätten, unter anderem sollen Luftballons steigen. Dann übernehmen Schüler und ihre Eltern. Sie wollen Aktionen rund um das Thema Menschenrechte machen, auch spielt eine Schülerband.
Den Großteil der GEB-Sitzung nahm ein Referat über illegale Drogen ein, das Reinhard Menyhert von der Polizeidirektion Ulm hielt. In Ulm sei die Möglichkeit, an Rauschmittel heranzukommen, nicht besser oder schlechter als in anderen Städten, sagte er. Anders als die landläufige Meinung bezeichnete er Ecstasy-Tabletten als die "härtesten Drogen, härter als Heroin": Manche Konsumenten würden schon nach einer einzigen Pille süchtig. "Teuflisch" sei ihre Wirkungsweise, die direkt in den Serotonin-Stoffwechsel des Gehirns eingreife und diesen zerstöre.
Die Polizei hat es viel häufiger mit Cannabis zu tun, meist in der Form von gerauchtem Marihuana. Laut Menyhert kann jemandem, der bekifft erwischt wird, der Führerschein genommen werden, selbst wenn er gar nicht gefahren ist. Außerdem sollten Eltern in solchen Fällen nicht zu nachsichtig sein: "Heute ist ein Joint 20-mal stärker als zur Flower-Power-Zeit." Der Polizist weiter: "Einstiegsdroge ist immer die Zigarette. Da müssen sich Eltern fragen, wie ihre Vorbildrolle aussieht." Das Hauptproblem im Bereich Drogen/Sucht sei aber der Alkohol - und der ist ebenso legal wie jederzeit verfügbar.
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